Fußball
Die EM, eine Resterampe
Scouts bleiben zu Hause
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von Oliver TrustDie EM als Hauptumschlagsplatz des Spielerhandels? Falsch. Die guten Geschäfte sind meist schon vor den großen Turnieren gemacht worden. Und die Scouts sitzen bei einer Veranstaltung wie der EM höchstens vor dem Fernseher.Vaclav Pilar war eine der Entdeckungen der Gruppenphase der EM. Der tschechische Flügelstürmer hätte wohl ein noch besseres Angebot bekommen können, wenn er nur Geduld gehabt hätte. Doch er hatte schon vor Turnierstart beim VfL Wolfsburg unterschrieben. "Das mag sein", sagte Pilar. "Aber Klub und Trainer wollten mich, das ist viel wert."
Hausaufgaben erledigtPilar liegt mit seiner Entscheidung im Trend. Die meisten Transfers werden schon vor einem großen Turnier in die Wege geleitet. Läuft eine EM erst einmal, haben Scouts und Manager ihre Hausaufgaben erledigt. Viele Klubs schicken deshalb keine Späher mehr.
"Wenn eine EM läuft ist es zu spät für Beobachtungen. Das wird alles vorher erledigt. Wenn es los geht, sind alle Kandidaten bei Qualifikations- und Testspielen oder in Trainingseinheiten durch gescoutet", sagt Stuttgarts Manager Fredi Bobic. "Wenn überhaupt, kann man sich einen letzten Eindruck verschaffen. Wenn da einer plötzlich nach oben durchschießt, wird er ohnehin so teuer, dass ihn sich nur noch die ganz, ganz großen Klubs leisten können."Keine Geheimnisse auf dem europäischen Markt
Wie die Stuttgarter hält es auch der 1. FC Nürnberg. "Der Markt in Europa ist sehr transparent. Da gibt es keine Geheimnisse und wenig Überraschungen mehr", sagt FCN-Manager Martin Bader. "Die, die da mitspielen, das sind keine kleinen Fußball-Länder mehr. Man würde einen schlechten Job machen, würde man sich erst zur EM umschauen."
Den tschechischen Stürmer Tomas Pekhart hatten die Franken schon gekauft, bevor sich dieser bei der U-21-EM in Schweden ins Rampenlicht spielte.Werders früher Deal
Werder Bremen hatte den Transfer von Tschechiens rechtem Verteidiger Theodor Gebre Selassie schon vor der EM so weit vorangetrieben, dass unmittelbar nach dem Viertelfinal-Aus die Unterschrift bei Werder verkündet wurde. Gebre Selassies gute Auftritte in Polen waren für die Hanseaten nur eine letzte Bestätigung.Für andere kam eine EM durchaus einer Bewerbungsshow gleich. Der polnische Torhüter Przemyslaw Tyton, beim niederländischen Erstligaklub PSV Eindhoven unter Vertrag, kam erst nach dem Platzverweis für Stammtorwart Wojciech ins Tor und trumpfte mit sehr guten Leistungen auf.Gute EM lässt Preise steigenSein Berater Krzysztof Jakubczak sah die Chance gekommen, mit italienischen Vereinen über einen Wechsel zu verhandeln. Kaum waren die Polen ausgeschieden, hatte sich die Sache erledigt. "Kein Interesse mehr", sagte Jakubczak. Die Italiener hatten sich lieber auf dem heimischen Markt bei altbekannten Keepern bedient."
"Jeder Spieler, der bei einer EM gut spielt, wird automatisch teurer - und die Konkurrenz wird größer. Es kommt eher selten vor, dass Klubs eine EM abwarten, um zu schauen wie sich ein Spieler dort im internationalen Vergleich schlägt", sagt Ex-Nationalspieler und Spielerberater Karlheinz Förster. Auch Förster schaut sich die EM nicht vor Ort, sondern in Deutschland vor dem Fernseher an.Boenisch spielt sich von VfB-Liste
Beim VfB Stuttgart allerdings könnten die schwache EM-Leistung von Sebastian Boenisch durchaus eine Rolle gespielt haben, auf die angedachte Verpflichtung zu verzichten. Der polnische Nationalspieler und Linksverteidiger war einer der Schwachpunkte im Team des Gastgebers. Um das zu erkennen, brauchte sich VfB-Manager Fredi Bobic nicht ins EM-Stadion zu bemühen, sondern verfolgte die Darbietungen seines Kandidaten lieber am Fernseher.
Gebre Selassie und Boenisch tauchten übrigens bei der Internetplattform transfermarkt.de" auf, die eine "Schnäppchen-Elf" der EM nach zweimaligen Einsatz der Spieler aufstellte. Der Großteil der Liste bestand aus altbekannten Akteuren, die am Ende ihrer Karriere günstiger wurden. Geheimtipps konnte auch die gewöhnlich gut informierte Seite keine liefern.
25.06.2012
Hausaufgaben erledigtPilar liegt mit seiner Entscheidung im Trend. Die meisten Transfers werden schon vor einem großen Turnier in die Wege geleitet. Läuft eine EM erst einmal, haben Scouts und Manager ihre Hausaufgaben erledigt. Viele Klubs schicken deshalb keine Späher mehr.
ZITAT
„Wenn eine EM läuft ist es zu spät für Beobachtungen. Das wird alles vorher erledigt.”Fredi Bobic
Wie die Stuttgarter hält es auch der 1. FC Nürnberg. "Der Markt in Europa ist sehr transparent. Da gibt es keine Geheimnisse und wenig Überraschungen mehr", sagt FCN-Manager Martin Bader. "Die, die da mitspielen, das sind keine kleinen Fußball-Länder mehr. Man würde einen schlechten Job machen, würde man sich erst zur EM umschauen."
Theodor Gebre Selassie
Quelle: imago
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Werder Bremen hatte den Transfer von Tschechiens rechtem Verteidiger Theodor Gebre Selassie schon vor der EM so weit vorangetrieben, dass unmittelbar nach dem Viertelfinal-Aus die Unterschrift bei Werder verkündet wurde. Gebre Selassies gute Auftritte in Polen waren für die Hanseaten nur eine letzte Bestätigung.Für andere kam eine EM durchaus einer Bewerbungsshow gleich. Der polnische Torhüter Przemyslaw Tyton, beim niederländischen Erstligaklub PSV Eindhoven unter Vertrag, kam erst nach dem Platzverweis für Stammtorwart Wojciech ins Tor und trumpfte mit sehr guten Leistungen auf.Gute EM lässt Preise steigenSein Berater Krzysztof Jakubczak sah die Chance gekommen, mit italienischen Vereinen über einen Wechsel zu verhandeln. Kaum waren die Polen ausgeschieden, hatte sich die Sache erledigt. "Kein Interesse mehr", sagte Jakubczak. Die Italiener hatten sich lieber auf dem heimischen Markt bei altbekannten Keepern bedient."
Vaclav Pilar
Quelle: imago
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Beim VfB Stuttgart allerdings könnten die schwache EM-Leistung von Sebastian Boenisch durchaus eine Rolle gespielt haben, auf die angedachte Verpflichtung zu verzichten. Der polnische Nationalspieler und Linksverteidiger war einer der Schwachpunkte im Team des Gastgebers. Um das zu erkennen, brauchte sich VfB-Manager Fredi Bobic nicht ins EM-Stadion zu bemühen, sondern verfolgte die Darbietungen seines Kandidaten lieber am Fernseher.
ZITAT
„Der Markt in Europa ist sehr transparent. Da gibt es keine Geheimnisse und wenig Überraschungen mehr.”Martin Bader



