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Mayer und Kohlschreiber im Viertelfinale

Letzte Ausfahrt Wimbledon?

  • Centre Court Wimbledon
  • Bilderserie Licht und Schatten in Wimbledon
  • Centre Court Wimbledon / Quelle: imago
    (04.07.2012 Quelle: imago)
    BilderserieLicht und Schatten in Wimbledon
    Wimbledon - Roger Federer - Sieger 2012 - Bildfamilie / Quelle: ap
    (07.07.2012)

    Kurzmeldung

    • 11:23 04.07.2012Kurzmeldung

      Florian Mayer: "Es ist alles möglich" 11:23 04.07.2012
      Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber stehen im Viertelfinale von Wimbledon vor regelrechten Herkulesaufgaben. Ihre Chancen gegen Titelverteidiger Novak Djokovic und Jo-Wilfried Tsonga, die Nr.6 der Tenniswelt, sind gering. Beide hoffen, dass sie die Außenseiterrolle wie schon im Achtelfinale beflügeln wird. Den Auftritt auf Court No.1 des All England Clubs wolle man so oder so "einfach nur genießen". Vor dem großen "Wer weiß, was dann passiert", sagte Match zeigte sich Mayer zuversichtlich: der 28-Jährige, "im Tennis ist eben alles möglich."

    • 20:14 03.07.2012Kurzmeldung

      Kerber steht im Halbfinale 20:14 03.07.2012
      Angelique Kerber steht erstmals in ihrer Karriere im Halbfinale von Wimbledon. Sie gewann das deutsche Viertelfinale gegen Sabine Lisicki 6:3, 6:7 (7:9), 7:5. Nach den US Open 2011 schaffte die 24-jährige Linkshänderin damit zum zweiten Mal in ihrer Karriere den Einzug unter die besten Vier. Kerber trifft nun auf Agnieszka Radwanska (Polen/Nr.3), die Maria Kirilenko (Russland/Nr.17) nach mehreren Unterbrechungen 7:5, 4:6, 7:5 besiegte. Lisicki und Kerber lieferten sich ein heiß umkämpftes Match und zeigten beide Tennis auf Weltklasseniveau.

    • 15:19 03.07.2012Kurzmeldung

      Mayer erreicht das Viertelfinale 15:19 03.07.2012
      Florian Mayer steht in Wimbledon zum zweiten Mal nach 2004 im Viertelfinale. Der 28-Jährige gewann die Fortsetzung der Begegnung mit dem Franzosen Richard Gasquet 6:3, 6:1, 3:6, 6:2 und trifft nun auf Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien/Nr.1). Das Match gegen Gasquet war am Vorabend wegen Regens zu Beginn des zweiten Satzes unterbrochen worden. Zwölf Minuten brauchte Mayer, um den zweiten Satz nach der Wiederaufnahme für sich zu entscheiden. Dabei schaffte der Weltranglisten-29. zwei Breaks und erhöhte mit einem Ass auf 2:0 Sätze. Nach 1:52 Stunden verwandelte er seinen zweiten Matchball.

    • 16:05 03.07.2012Kurzmeldung

      Auch Kohlschreiber im Viertelfinale 16:05 03.07.2012
      Philipp Kohlschreiber ist Florian Mayer ins Viertelfinale von Wimbledon gefolgt. Der 28-Jährige gewann gegen den Qualifikanten Brian Baker (USA) 6:1, 7:6 (7:4), 6:3 und trifft nun auf Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich/Nr.5), der Mardy Fish (USA/Nr.10) 4:6 7:6, 6:4, 6:4 besiegte. Kohlschreiber steht erstmals in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Damit stehen erstmals seit 15 Jahren zwei Deutsche unter den besten Acht beim wichtigsten Tennisturnier der Welt. 1997 waren es sogar drei: Boris Becker, Michael Stich und Nicolas Kiefer.

    von Petra Philippsen

    Eigentlich hatte man Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber schon abgeschrieben, denn bei Grand Slams nutzten die beiden besten Deutschen nie ihre Chancen. Nun stehen beide unter den letzten Acht in Wimbledon, doch es erwarten sie Herkulesaufgaben.

    ZITAT
    Das war ein absolut perfektes Match von mir. Das ist ein unglaubliches Gefühl, nach so langer Zeit.
    Florian Mayer
    Der eine, Philipp Kohlschreiber, feierte sich mit martialischem Gebrüll und hüpfte ausgelassen über den Platz. Der andere, Florian Mayer, war so glücklich, dass er sich rücklings auf den Rasen fallen lies und erst einmal ausgestreckt so liegen blieb. Für den einen wie den anderen war es ein großer Tag in Wimbledon, ein noch größerer in ihrer Karriere. Kohlschreiber hatte es bei einem Grand Slam noch nie bis ins Viertelfinale geschafft, und bei Mayer war es schon acht Jahre und somit eine gefühlte Ewigkeit her gewesen. Seit 1997 waren nicht mehr zwei deutsche Profis so weit bei wichtigsten Turnier der Welt gekommen.

    "Tennis ist manchmal ein komischer Sport"

    Beide werden im Herbst 29 Jahre alt, und die Freude über den späten Erfolg war bei beiden daher umso überschwänglicher. "Das war ein absolut perfektes Match von mir", sagte Mayer, "das ist ein unglaubliches Gefühl, nach so langer Zeit." Sein Gegner Richard Gasquet sei der klare Favorit, das hatte Mayer vorher gesagt, und "das ist auch mal gut so." So hatte der als 29. bestplatzierte deutsche Profi im Achtelfinale nichts zu verlieren, sondern konnte nur gewinnen.

    Florian Mayer / Quelle: Imago

    Florian Mayer
    Quelle: Imago

    "Tennis ist manchmal ein komischer Sport", fuhr Mayer fort, "so vieles hängt vom Kopf ab. Und heute bin ich endlich mal tough gewesen." Er spielte hervorragendes Rasentennis gegen den starken Franzosen, hämmerte ihm 60 Winner und 14 Asse um die Ohren und seine ansatzlosen, beidhändigen Stoppbälle trieben den Gasquet zur Verzweiflung. Am Montag hatten sie ihre Partie begonnen, und auch bei ihrer Fortsetzung kam tags darauf wieder eine einstündige Regenpause dazwischen. Es waren widrige Umstände, wie jene, die Mayer gewöhnlich aus dem Konzept brachten. Sonst hätte er gehadert, wäre nervös geworden, wäre gescheitert. Doch nicht an diesem Tag, Mayer zweifelte nicht. Auch nicht, als Gasquet im dritten Satz plötzlich stärker wurde und zu befürchten stand, die Partie würde nun ebenso kippen, wie im letzten Herbst im Davis-Cup-Viertelfinale, als Mayer eine 2:0-Satzführung gegen ihn noch aus der Hand gab.

    Große Ansprüche, wenig Taten

    Doch Mayer hatte für sich offenbar jene Unbekümmertheit seines ersten Auftritts in Wimbledon wiederentdeckt, spielte wie befreit. "Ich habe absolut keinen Druck gespürt", sagte er und auch Kohlschreiber hatte sich vom Druck der Favoritenrolle gelöst und gegen Brian Baker eine souveräne Dreisatz-Leistung gezeigt. Der Amerikaner hatte zwar nach einer fast beispiellosen Verletzungszeit gerade nach sechs Jahren sein Comeback gefeiert, doch in Wimbledon beeindruckt. Kohlschreiber spielte konzentriert und überzeugend, und so brach er bei seiner 33. Grand-Slam-Teilnahme doch noch den Bann. "Ich bin so glücklich, ich kann das gar nicht in Worte fassen", sagte Kohlschreiber.

    Philipp Kohlschreiber / Quelle: Imago

    Philipp Kohlschreiber
    Quelle: Imago

    Von jeher hatte er diese Leistungen, die große Bühne, für sich beansprucht, doch nur zu selten hatte er den vollmundigen Ankündigungen auch etwas folgen lassen. Bei Mayer waren die Erwartungen nach seinem frühen Erfolg in Wimbledon groß gewesen, erfüllen konnte er sie lange nicht. Denn gerade bei den so wichtigen Grand Slams hatte er oft Nerven gezeigt, kam nie mehr über die dritte Runde hinaus.

    Zuletzt waren die French Open wieder für beide ein Ort der Enttäuschung und der verpassten Möglichkeiten gewesen. Dass sich das Blatt nun so schnell wendete, kam auch für Mayer überraschend: "Man muss das Glück auch einfach mal erzwingen." Immer waren es andere gewesen, die bei den Grand Slams über sich hinauswuchsen, den deutschen Herren war das in den letzten Jahren höchstens im Ansatz gelungen.

    Ob Wimbledon nun ein Befreiungsschlag gewesen ist oder schon in ein paar Wochen der positive Effekt verpufft, bleibt abzuwarten. Doch den Schwung wollen beide mit in ihre heutigen Viertelfinalpartien nehmen. Ihre Chancen gegen Novak Djokovic, den Weltranglistenersten und Titelverteidiger, und Jo-Wilfried Tsonga, die Nummer sechs der Rangliste, sind verschwindend gering. Doch die Außenseiterrolle könnte sie beide beflügeln, sie wollen ihren Auftritt auf Court No.1 des All England Clubs einfach nur genießen. "Wer weiß, was dann passiert", sagte Mayer, "im Tennis ist eben alles möglich." Die Pflicht abgehakt, die Kür kann kommen.

    04.07.2012
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