Trainingsprügeleien
Muskelspiele in der Vorbereitung
Die ungewöhnlich lange Saisonvorbereitung fordert nicht nur ausgeklügelte Trainingspläne. Die Trainer müssen auch den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams fein dosieren. Manchmal liegen die Nerven trotzdem blank und Grenzen werden überschritten. Wie beim HSV. von Ralf LorenzenDas kennt jeder, der selbst Fußball spielt, bis in die Kreisklasse runter. Aus einem harten Einsteigen beim Training wird ein Wortgefecht und wenn dann noch das falsche Wort fällt, ist es nicht weit zur Rangelei oder einem kurzen Schlagabtausch. „Ab zum Duschen“, sagt dann der Trainer und nachher beim Bier ist alles vergessen.Stevens: Das kann passieren
So lief das im April bei Schalke 04, als sich Klaas-Jan Huntelaar und Jermaine Jones kurzzeitig an den Kragen gingen. Trainer Stevens schickte sie auf eine Strafrunde und sagte anschließend: „Das kann im Training passieren. Es zeigt, wie viel Feuer in der Mannschaft steckt. Auf dem Weg nach Augsburg haben schon alle wieder darüber gelacht".
Die Liste der Trainingsprügeleien in der Bundesliga ist lang – wenn’s hart kommt, gibt es eine Geldstrafe, wie damals nach der Ohrfeige, die Bixente Lizarazu Lothar Matthäus verpasste. Wenn jemand allerdings seinem Mitspieler das Nasenbein bricht, wie einst der Bochumer Sunday Oliseh bei Vahid Hashemian, dann fliegt der Übeltäter natürlich raus.
Streithähne müssen sich die Hand geben
„Intervenieren muss man natürlich sofort, da führt kein Weg dran vorbei“, erläutert der Kölner Sportpsychologe Werner Mickler gegenüber ZDFsport.de den richtigen Umgang mit den Streithähnen. „Ich muss sie erstmal auseinanderkriegen. Es kommt darauf an, wie ich anschließend reagiere. Die beiden, die sich da in die Wolle bekommen haben, müssen sich danach wieder die Hand geben können. Dann ist das auch aus der Welt. Aber wenn ich das zum großen Pressethema mache, das immer größere Kreise zieht, dann ist das sicher nicht im Sinne der Mannschaft.“
Und genau das ist beim HSV nach einer relativ harmlosen Auseinandersetzung zwischen Slobodan Rajkovic und Heung Min Son passiert. Noch über eine Woche nach dem Vorfall vergeht kein Tag, an dem nicht eine neue Wendung des Falls erörtert wird. Rajkovic wurde in die U23 strafversetzt, Son dagegen durfte als Gallionsfigur die Südkorea-Reise mitmachen. Trainer Fink signalisierte Härte, Sportdirektor Arnesen Gesprächsbereitschaft. Rajkovic beschimpfte Fink als Lügner, Präsident Jarchow gibt zu, den Sünder nur deshalb nicht zu feuern, weil das die Ablöse kosten würde. Eine klare Linie sieht anders aus.Konflikt aus dem LehrbuchDabei handelte es sich bei dem ursprünglichen Vorfall um einen Konflikt, der in Lehrbüchern der Trainerausbildung vorprogrammiert ist. „Es ist unter Teambildungsgesichtspunkten normal, dass dann, wenn neue Spieler hinzukommen, einzelne Teilnehmer mit ihrer Hierarchieordnung nicht ganz einverstanden sind und versuchen einen höheren Rangplatz einzunehmen“, sagt Sportpsychologe Mickler. „Aber bei dem, was beim HSV passiert ist, wurde die Grenze überschritten.“
Wenn dreißig Spieler in eine Saisonvorbereitung gehen, von denen sechs Wochen später nicht einmal zwanzig den Stammkader bilden, sind Konkurrenzkämpfe nicht zu vermeiden. Gleichzeitig soll aber ein verschworener Haufen entstehen. Für Werner Mickler ist das kein Widerspruch.
Vier Phasen der Teambildung
„Wenn man ein Team bildet, gibt es einen Ablauf von vier Phasen. Nach der Kennenlernphase kann es zu Hierarchiekämpfen kommen. Erst dann kommt es zu dem Prozess, an dem man versucht, kooperierend miteinander zu arbeiten. Und wenn der stattgefunden hat, ist man in der Lage ein Team zu finden, das zusammen agiert.“
Beim HSV ist man bemüht zu signalisieren, dass die Phase der Hierarchiekämpfe vorbei ist und man in Phase drei der Teambildung eingetreten ist.Dabei kommt den Führungsspielern eine Schlüsselrolle zu. „Wir haben darüber gesprochen, distanzieren uns als Mannschaft“, sagte Kapitän Heiko Westermann dem Hamburger Abendblatt. „Es geht nicht, dass ein Spieler mit 23 Jahren die Klappe aufreißt. Ich hatte nie das Gefühl, dass Slobodan anders behandelt wurde.“
Mannschaft distanziert sich vom Sünder
Und Marcell Jansen pflichtet ihm bei: „Unser Trainer-Team ist menschlich, kommunikativ und ehrlich.“ Vier Wochen noch müssen die Bundesligatrainer die Teambildung in dieser überlangen Sommerpause strecken. Es kann gut sein, dass der am besten aus den Starlöchern kommt, der den Konkurrenzkampf genauso klug dosiert hat wie das Krafttraining.
25.07.2012
So lief das im April bei Schalke 04, als sich Klaas-Jan Huntelaar und Jermaine Jones kurzzeitig an den Kragen gingen. Trainer Stevens schickte sie auf eine Strafrunde und sagte anschließend: „Das kann im Training passieren. Es zeigt, wie viel Feuer in der Mannschaft steckt. Auf dem Weg nach Augsburg haben schon alle wieder darüber gelacht".
Die Liste der Trainingsprügeleien in der Bundesliga ist lang – wenn’s hart kommt, gibt es eine Geldstrafe, wie damals nach der Ohrfeige, die Bixente Lizarazu Lothar Matthäus verpasste. Wenn jemand allerdings seinem Mitspieler das Nasenbein bricht, wie einst der Bochumer Sunday Oliseh bei Vahid Hashemian, dann fliegt der Übeltäter natürlich raus.
Streithähne müssen sich die Hand geben
„Intervenieren muss man natürlich sofort, da führt kein Weg dran vorbei“, erläutert der Kölner Sportpsychologe Werner Mickler gegenüber ZDFsport.de den richtigen Umgang mit den Streithähnen. „Ich muss sie erstmal auseinanderkriegen. Es kommt darauf an, wie ich anschließend reagiere. Die beiden, die sich da in die Wolle bekommen haben, müssen sich danach wieder die Hand geben können. Dann ist das auch aus der Welt. Aber wenn ich das zum großen Pressethema mache, das immer größere Kreise zieht, dann ist das sicher nicht im Sinne der Mannschaft.“
Und genau das ist beim HSV nach einer relativ harmlosen Auseinandersetzung zwischen Slobodan Rajkovic und Heung Min Son passiert. Noch über eine Woche nach dem Vorfall vergeht kein Tag, an dem nicht eine neue Wendung des Falls erörtert wird. Rajkovic wurde in die U23 strafversetzt, Son dagegen durfte als Gallionsfigur die Südkorea-Reise mitmachen. Trainer Fink signalisierte Härte, Sportdirektor Arnesen Gesprächsbereitschaft. Rajkovic beschimpfte Fink als Lügner, Präsident Jarchow gibt zu, den Sünder nur deshalb nicht zu feuern, weil das die Ablöse kosten würde. Eine klare Linie sieht anders aus.Konflikt aus dem LehrbuchDabei handelte es sich bei dem ursprünglichen Vorfall um einen Konflikt, der in Lehrbüchern der Trainerausbildung vorprogrammiert ist. „Es ist unter Teambildungsgesichtspunkten normal, dass dann, wenn neue Spieler hinzukommen, einzelne Teilnehmer mit ihrer Hierarchieordnung nicht ganz einverstanden sind und versuchen einen höheren Rangplatz einzunehmen“, sagt Sportpsychologe Mickler. „Aber bei dem, was beim HSV passiert ist, wurde die Grenze überschritten.“
Wenn dreißig Spieler in eine Saisonvorbereitung gehen, von denen sechs Wochen später nicht einmal zwanzig den Stammkader bilden, sind Konkurrenzkämpfe nicht zu vermeiden. Gleichzeitig soll aber ein verschworener Haufen entstehen. Für Werner Mickler ist das kein Widerspruch.
Vier Phasen der Teambildung
ZITAT
„Es geht nicht, dass ein Spieler mit 23 Jahren die Klappe aufreißt.”Heiko Westermann
Beim HSV ist man bemüht zu signalisieren, dass die Phase der Hierarchiekämpfe vorbei ist und man in Phase drei der Teambildung eingetreten ist.Dabei kommt den Führungsspielern eine Schlüsselrolle zu. „Wir haben darüber gesprochen, distanzieren uns als Mannschaft“, sagte Kapitän Heiko Westermann dem Hamburger Abendblatt. „Es geht nicht, dass ein Spieler mit 23 Jahren die Klappe aufreißt. Ich hatte nie das Gefühl, dass Slobodan anders behandelt wurde.“
Mannschaft distanziert sich vom Sünder
Und Marcell Jansen pflichtet ihm bei: „Unser Trainer-Team ist menschlich, kommunikativ und ehrlich.“ Vier Wochen noch müssen die Bundesligatrainer die Teambildung in dieser überlangen Sommerpause strecken. Es kann gut sein, dass der am besten aus den Starlöchern kommt, der den Konkurrenzkampf genauso klug dosiert hat wie das Krafttraining.



