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Moderner Fünfkampf

Olympia in Reinkultur

  • Video Lena Schöneborn: Die Beste ihres Fachs
  • VideoLena Schöneborn: Die Beste ihres Fachs

    Vor vier Jahren gewann sie Gold in Peking. Jetzt reist sie als Titelverteidigerin nach London und hofft erneut auf Edelmetall: Fünfkämpferin Lena Schöneborn.

    (03.07.2012)
    von Erik Eggers

    Erfunden vom Schöpfer des modernen Olympias, Pierre de Coubertin, ringt der Moderne Fünfkampf seit Jahrzehnten um Aufmerksamkeit. Mit der Reform 2009 entstand laut Olympiasiegerin Lena Schöneborn ein "neuer Sport". Bei Olympia 2012 feiert der runderneuerte Moderne Fünfkampf Premiere.

    Der Wettbewerb der Frauen

    Sonntag ab 9 Uhr im zdfsport.de-Livestream

    Ende gegen 19.30 Uhr

    Vor ein paar Tagen posierte Lena Schöneborn im Olympischen Park für ein Foto, das Olympiastadion im Hintergrund. Viele Sportfans gingen achtlos vorüber an der 26-Jährigen, niemand bat um ein Autogramm. Sie hielten sie für eine Touristin. Sie erkannten nicht, dass da eine Olympiasiegerin vor ihnen stand. Sie hatte Gold im Modernen Fünfkampf in Peking 2008 gewonnen.

    Außenseiterdasein

    In Deutschland ist ihr Gesicht inzwischen bekannter. Sie hat in einem Spot für die Deutsche Sporthilfe mitgewirkt, gemeinsam mit Felix Magath. Sie wurde vor London in der ARD porträtiert und es gab auch eine Reihe von Zeitungsartikeln über die Berlinerin, die für die Sport- und Schwimmfreunde Bonn startet.

    Doch im Grunde schaut die Welt des Sports nur bei den Olympischen Spielen auf diese Sportart. Am Samstag waren die Männer an der Reihe. Am Schlusstag der Spiele repräsentieren Annika Schleu (Berlin) und Schöneborn die deutschen Farben.

    Schöneborn wirbt für ihren Sport

    Schöneborn ist eine perfekte Werbebotschafterin. Sie ist hübsch, intelligent, auch medienkompatibel, und sie verkauft mit Verve die Vielfältigkeit und Faszination ihrer Sportart. "Es ist ein Sport, der Kraft, Ausdauer, Konzentration, Koordination, Präzision und Geschick mit der Waffe erfordert", sagt sie. Und weiter: "Der Moderne Fünfkampf ist doch der olympische Sport schlechthin."

    ZITAT
    Der Moderne Fünfkampf ist doch der olympische Sport schlechthin.
    Lena Schöneborn

    Vor genau 100 Jahren wurde der Moderne Fünfkampf erstmals bei Olympia durchgeführt, 1912 in Stockholm. Er ist im Wesentlichen ein Produkt des Schöpfers der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin (1863-1937).

    Sport nur für die Besten

    Klaus Schormann, der Präsident des Weltverbandes für Modernen Fünfkampf, zitiert gern aus den Erinnerungen Coubertins, wonach dieser Sport "eine wahre Weihe für den vollkommenen Athleten" darstellt. "Coubertin hatte den perfekten Athleten vor Augen, der alle Fähigkeiten auf höchstem Niveau vereint", sagt Schöneborn.

    Der Ursprungsgedanke 1912 aber war militärischer Natur, nämlich eine "sportliche Allegorie eines kriegerischen Botenganges zu Pferd, im Wasser und an Land." So urteilt der Kölner Sporthistoriker Ansgar Molzberger in seiner Dissertation über die Olympischen Spiele 1912. Die "kriegerische Idee, die hinter Coubertins Wettkampf stand", habe die Schweden nicht abgeschreckt, weil der damalige Organisationschef Viktor Balck gern "die Bedeutung des Sports für die Steigerung der Wehrkraft" betonte.

    Königliche Pferde im Einsatz

    Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) schlug zunächst die Disziplinen Laufen, Hoch- und Weitsprung, Schwimmen, Reiten und Fechten vor. Aber der Antrag zweier italienischer IOC-Mitglieder sorgte dann dafür, dass das Springen durch Schießen ersetzt wurde und das Laufen durch einen Hindernislauf. Und es gab großen Ärger, weil die Schweden keine Pferde stellen wollten. Erst als König Gustav V. sein Placet gab, Pferde aus den hoheitlichen Ställen zur Verfügung zu stellen, war der Streit beendet.

    In Schweden geboren, beherrschten die Skandinavier diese Sportart über Jahrzehnte. 2009 wurde der Moderne Fünfkampf reformiert, weil das IOC mit der Streichung aus
    ZITAT
    Wie weit soll sich eine Sportart verbiegen, um medienwirksam zu sein?
    Lena Schöneborn
    dem olympischen Programm drohte. So wurden das Pistolenschießen (mit Laser) und das Laufen zusammengelegt, in eine Art Sommerbiathlon, "combined" genannt.

    Medien verändern den Sport

    "Es ist dadurch ein anderer Sport geworden", sagte Schöneborn kürzlich der taz. Die physische Belastung sei völlig anders bei drei Läufen über 1000 Meter. Und grundsätzlich stelle sich folgende Frage: "Wie weit soll sich eine Sportart verbiegen, um medienwirksam zu sein?"

    11.08.2012
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