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Keine Reform der Sportförderung

Es bleibt dabei: Steuern für Medaillen

  • Infografik Deutsche Medaillenausbeute und Starter
  • Infografik Deutsche Medaillenausbeute - Bilanz 2012
  • InfografikDeutsche Medaillenausbeute und Starter
    Infografik: Die deutsche Medaillenausbeute und die Anzahl deutscher Starter seit der Wiedervereinigung  / Quelle: ZDF
    (17.09.2012 Quelle: ZDF)
    InfografikDeutsche Medaillenausbeute - Bilanz 2012
    (17.09.2012)
    von Daniel Drepper
    Die deutsche Sportförderung hält an ihrem Konzept fest, eine Reform ist nicht in Sicht. Trotz wochenlanger Kritik während und nach der Olympischen Spiele: Steuergeld gibt es weiter vor allem für Medaillen.


    Die Lieblinge der Sportförderung

    Der DOSB fördert besonders Sportarten mit vielen Wettbewerben. Leichtathletik, Schwimmen, Boxen, Schießen gehören z.B. zur Förderstufe A. Kanu, Rudern sind in Stufe B.

    Wenig Förderung erhält der Mannschaftssport, weil es da maximal nur zwei Wettbewerbe gibt (Männer und Frauen).

    86 Medaillen hatten das Bundesinnenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) von den Olympia-Sportlern gefordert. Das verdeutlicht, wie medaillenfixiert Steuergeld verteilt wird.

    Gewinner bevorzugt

    Von der Bundesförderung profitieren vor allem die Verbände mit großen Olympia-Erfolgen. Die gesellschaftliche Bedeutung, die Nachwuchsarbeit, die Dopingbekämpfung spielen in der Förderung des Leistungssports kaum eine Rolle. Wissenschaftler, Politiker und auch manch ein Sportfunktionär forderten nach den Spielen in London deshalb eine Grundsatzdiskussion.

    Warum fördern wir in Deutschland Leistungssport? An welche Bedingungen knüpfen wir die Verteilung von Steuergeld? Dürfen Medaillen der wichtigste Maßstab sein? Auf all diese Fragen gibt es bislang kaum durchdachte Antworten.

    Angst vorm DOSB?

    Doch eine Grundsatzdiskussion lässt der DOSB nicht zu. Nach London hatten sich aus dem Sport fast ausschließlich der Deutsche Leichtathletik-Verband mit Generalsekretär Frank Hensel und Bundestrainer Thomas Kurschilgen öffentlich geäußert, dazu Hockey-Bundestrainer Markus Weise. Viele andere hielten sich zurück. Die Angst vor dem DOSB könnte dabei eine Rolle gespielt haben. Statt eine offene Diskussion zu befeuern, gab sich der Dachverband größte Mühe, sein System zu verteidigen.

    Am vergangenen Donnerstag trafen sich mehr als 20 Funktionäre in Frankfurt zur Olympia-Analyse. Gut sieben Stunden berieten sich die Vertreter von Verbänden, Landessportbünden, Athleten und Innenministerium. Dabei ging's natürlich auch ums Geld - und die Frage: Wer bekommt wie viel im Jahr 2013? Einbußen müssen die Schwimmer befürchten. Wegen des Misserfolgs in London drohen Kürzungen, womöglich müssten Trainer gehen. Nichts ändern werde sich an den Förderkonzepten an sich, berichten Teilnehmer der Sitzung. Einstimmig hatten diese ihre Empfehlungen für das DOSB-Präsidium verabschiedet.

    Wenig ist gar nichts

    Steuergeld im Sport 2013

    Der Entwurf für die Spitzensportförderung im Jahr 2013 wird zurzeit in den Gremien des Bundestages beraten. Insgesamt soll der Sport 250 Millionen Euro von neun Bundesministerien bekommen. Der größte Teil kommt vom Innenministerium: 130 Millionen.

    Die Zahlen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum geändert. Lediglich in der Dopingbekämpfung spart das Ministerium. Hier gibt es eine Millionen weniger als im Vorjahr.

    Obwohl die Gremien nur beratende Funktion haben, ist es wahrscheinlich, dass der DOSB den Großteil der Empfehlungen am Dienstag auf einer Pressekonferenz bekannt geben wird. Denn selbst die minimalen Änderungen sind keine Reaktion auf die Kritik nach Olympia. DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank hatte die Änderungen schon Anfang Juni auf einer Konferenz der Spitzenverbände vorgestellt. So bleiben zum Beispiel auch die viel kritisierten Zielvereinbarungen bestehen.

    Für die Olympischen Spiele 2016 in Rio werden wieder Medaillenziele festgelegt, daran koppelt der DOSB gemeinsam mit dem Innenministerium die Vergabe von zusätzlichem Fördergeld. Der Anteil der über die Projektförderung vergebenen Mittel soll in den nächsten Jahren sogar steigen. Die Zielvereinbarungen werden damit noch wichtiger. Verfügungsmasse für die Netzwerker an der Spitze des DOSB.

    Sich selbst am nächsten

    Jeder Verband schaut in den Verhandlungen um Steuergeld zunächst darauf, dass er selbst nicht weniger bekommt als in den Jahren zuvor. In den kommenden Wochen werden die Mittel beratschlagt. Verbände, DOSB und Ministerium sind mitten in den Verhandlungen. So sind größere Reformen vorerst kaum möglich.

    17.09.2012
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