Fußball - 2. Bundesliga
Pauli-Fans wollen Museum statt Polizeiwache
So protestieren St.-Pauli Fans
von Ralf LorenzenIm Millerntor-Stadion wird zurzeit die Polizeiwache gebaut. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn solche Stadionwachen sind mittlerweile Pflicht in der Bundesliga. Trotzdem protestieren die St.-Pauli-Fans - vor allem gegen den geplanten Standort im Stadion. Sie fühlen sich provoziert.Es ist nämlich die größte Stadionwache Deutschlands - und sie wird ausgerechnet direkt neben den Fanräumen gebaut. Die Planungen beruhen auf alten Absprachen mit der Stadt. Die Fans empfinden den Ort der Stadionwache als Provokation und wollen stattdessen lieber ein Museum einziehen lassen.Hier hin, bitte!Am vergangenen Mittwoch zeigten 150 Fans, was sie von dem Projekt halten: Mit Sandsäcken, Steinen und Schaufeln ausgerüstet rückten sie an der Nordostecke des Millerntor-Stadions an und begannen dort, einen Grundstein zu legen. Symbolisch: Hier - wollten sie damit zeigen - hier gehört sich die Polizeiwache hingebaut. Und nicht mitten ins Herz im Neubau der Gegengerade.Der Konflikt zwischen Fans und Vereinsführung über den Standort der neuen Wache schwelt seit Monaten, droht aber erst jetzt zu eskalieren, da die neue Tribüne an der Gegengeraden fast fertig ist. Zwar ist der Verein laut den Lizensierungsbedingungen der Deutsche Fußball-Liga (DFL) verpflichtet, eine Stadionwache einzurichten. Dafür würden nach Berechnungen der AG Stadionbau, in der sich Fans und Vereinsmitglieder zusammengeschlossen haben, aber 100 bis 250 Quadratmeter ausreichen. Für die neue Wache in den Katakomben des Millerntor-Stadions waren ursprünglich aber sogar 585 Quadratmeter geplant.RuntergehandeltLaut Vereinssprecher Christian Böning habe der Verein diese Größe mit der Stadt inzwischen auf 400 Quadratmeter heruntergehandelt. Immer noch viel zu viel für die Fans, die die geplante Wache in Anspielung an die berühmte Davidwache inzwischen "Goliathwache" getauft haben.Die Vereinsführung des FC St. Pauli fühlt sich bei ihren Planungen an alte Absprachen mit der Stadt gebunden. Laut Innensenator Michael Neumann (SPD) hat sich der Klub verpflichtet, "im Zuge des Ausbaus des Millerntor-Stadions neue Räumlichkeiten auch für die Polizei zu schaffen."Zwei Fliegen mit einer KlappeDer Stadt ist der Standort wichtig, weil er zusätzlich als Bereitschaftswache für das dreimal im Jahr angrenzende Volksfest "Dom" genutzt werden soll. Für Teile der Fans ist die Lage direkt neben den neuen Räumlichkeiten des Fanladens dagegen eine Provokation.
Nachbarn: Stadion und das Hanburger Volkfest "Dom".
Quelle: imago
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Die "fehlende örtliche Trennung von Polizei und Fanladen wird definitiv eine abschreckende Wirkung haben [...] ob gewollt oder nicht wird eine erhöhte Beobachtung der Fanszene durch die Polizei erfolgen", heißt es im Fanmagazin "Der Übersteiger".Lieber ein MuseumDie Anhänger sehen dort stattdessen den idealen Standort für ein Vereinsmuseum. "Die Gegengerade des Millerntor-Stadions ist ein entscheidender Ort für die Geschichte des FC St. Pauli", heißt es im Aufruf "Museum statt Goliathwache". "Dies ist der Ort, wo die ersten Totenkopf-Fahnen wehten. Dies ist der Ort, wo eine vollkommen neue Art der Fankultur entstand. (...). Wir sollten diesen Ort Leben lassen. Wir sollten ihn nutzen, um diesen unglaublichen Verein zu feiern."Um sowohl die Anforderungen der DFL als auch die Absprachen mit der Stadt zu erfüllen, schlägt die AG Stadionbau vor "die alte Domwache unter finanzieller Beteiligung des Vereins zu modernisieren oder an gleicher Stelle eine neue Wache zu errichten". Eben an dem Ort, an dem vergangene Woche die symbolische Grundsteinlegung erfolgte.Zu teuerDie Vereinsführung hält diese Lösung, die nach ihren Berechnungen 1,25 Millionen Euro kosten würde, nicht für finanzierbar. "Wir haben es versucht, aber die benötigte Summe gibt uns keine Bank, weil das nicht refinanzierbar ist", sagt Christian Bönig.Schon am Dienstag zum Heimspiel gegen den VfR Aalen werden viele Fans wieder ihren Unmut ausdrücken - und in der Protestfarbe rot auflaufen. Das letzte Mal gab es so einen starken Widerstand, als das Management die Stadionwährung "Millerntaler" einführen wollte - und damit scheiterte. Beim FC St. Pauli ist David gegen Goliath nie chancenlos.
24.09.2012



