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Die vier Vermisst-Aktion Plakatmotive
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"Unter Generalverdacht"
Muslime unter Generalverdacht
Ceyhan Genc
"Das ist mein Bruder Hassan. Ich vermisse ihn, denn ich erkenne ihn nicht mehr. Ich habe Angst ihn ganz zu verlieren – an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen. Wenn es Dir so geht wie mir, wende Dich an die Beratungsstelle Radikalisierung." So lautet der Text unter dem großen "Vermisst"-Plakat, mit dem das Bundesinnenministerium ab dem 21. September 2012 bundesweit in die Öffentlichkeit treten will. Doch bereits vor der Veröffentlichung hagelt es massenweise Kritik an der Aktion. Vier islamische Verbände haben als Konsequenz letzte Woche ihre Mitarbeit mit dem Ministerium in der gemeinsamen "Initiative Sicherheitspartnerschaft gekündigt.Muslime stigmatisiert
Die Idee hinter der 300.000 Euro teuren Kampagne erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. Mit der Aktion soll vor den Gefahren des islamistischen Fundamentalismus gewarnt und für eine Beratungsstelle geworben werden.
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Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlichAusstieg aus der Sicherheitspartnerschaft
Auch die muslimischen Verbände sehen in den Plakaten eher Fahndungs- als Vermisstenanzeigen. Sie beklagen die aus ihrer Sicht mangelnde Kommunikationsbereitschaft des Innenministeriums. "Die Vorgehensweise stellt uns als Kooperationspartner immer wieder vor vollendete Tatsachen, schafft destruktive Diskussionen, statt konstruktive Lösungen", hieß es.Als Konsequenz haben die Türkisch-Islamische Union (DITIB), der Verband der Islamischen Kulturzentren, der Zentralrat der Muslime und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland die "Initiative Sicherheitspartnerschaft" mit dem Bundesinnenministerium aufgekündigt. Die Sicherheitspartnerschaft war im Juni 2011 auf einem Präventionsgipfel von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich eingerichtet worden, um der Radikalisierung einzelner junger Muslime entgegenzuwirken. Einzig die alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) unterstützt die Plakataktion Friedrichs. Der religiöse Extremismus islamistischer Prägung sei eine "ernstzunehmende Gefahr für unsere Gesellschaft", erklärte Generalsekretär Ali Doğan.Die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert den sofortigen Stopp der Plakataktion und hat einen Brief an die Vereinten Nationen und an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE geschrieben. "Wir sind besorgt, dass durch diese Plakataktion Muslime in der Mehrheitsbevölkerung stigmatisiert, die Denunziation gestärkt und die Vorurteile gegenüber Muslime verstärkt werden", so der Vorsitzende Kenan Kolat.Kritik der Oppositionsparteien
Vertreter der politischen Parteien sehen die Plakataktion ebenfalls sehr kritisch. Sowohl die Grünen-Chefin Claudia Roth als auch der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy forderten den Stopp der Kampagne. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bemängelte, dass auf den Plakaten muslimisch aussehende Menschen wie auf einem Steckbrief dargestellt würden. Sie befürchtet, dass durch die Plakate eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiert werde.Bundesinnenminister Friedrich indes erklärte, er werde in jedem Fall an der Sicherheitspartnerschaft festhalten, ist aber bereit zu Gesprächen. Das Ministerium sei über die Kritik der Verbände sehr verwundert, da sie im Vorfeld ihre Zustimmung signalisiert hätten. Damit reagierte Friedrich auch auf die Forderung des Islamexperten und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz Bülent Uçar. Ucar hatte angeregt, die Aktion mit der Deutschen Islamkonferenz (DIK) oder den muslimischen Verbänden erneut zu diskutieren. Ab Mitte September sollen die Plakate in Berlin, Hamburg und Bonn zu sehen sein.

