Die großen Komiker
von Annette Harlfinger
Privates Glück - so scheint es - bleibt für jene, die Frohsinn und Heiterkeit verbreiten, oft verwehrt. Das Beispiel Harald Juhnkes zeigt die privaten Schattenseiten einer Komikerkarriere. Helga Hahnemann und Heinz Erhardt stehen für die humoristische Bewältigung der deutsch-deutschen Wirklichkeit in den Jahrzehnten der Teilung."Sagen Sie jetzt nichts!"
Niemand in der Reihe der großen Komiker karikierte das bürgerliche Leben so trefflich wie Loriot. Seine Cartoons und besonders seine Sketche sind bis heute nicht nur allseits bekannt, sondern haben wenig von ihrer Komik verloren. Sein Sprachwitz, der jedoch nie verletzend wirkte, eroberte den deutschen Sprachraum. Formulierungen wie "Bitte sagen Sie jetzt nichts ..." werden immer wieder gerne zitiert. Was typisch deutsch ist im deutschen Bürgertum parodierte Loriot vor der Kamera über viele Jahre zusammen mit Kollegin Evelyn Hamann.Doch Loriot betätigte sich nicht nur als Schauspieler und Karikaturist, er war Autor, führte Regie bei Kinofilmen und - eine wenig bekannte Tatsache - bei Opernaufführungen. Loriots privates Leben war frei von Skandalen. 1951 heiratete der aus der alten Adelsfamilie stammende Vicco von Bülow die Modezeichnerin Rose-Marie "Rosi" Schlumborn. Zwei Töchter gehen aus der glücklichen Ehe hervor. Eine glückliche Komikerkarriere. Für sein vielseitiges Schaffen wurde Loriot mehrfach geehrt. Besonders hervorgehoben wurden dabei seine gesellschaftskritische Scharfsicht und seine Bemühungen darum, Kunst und Kultur einem breiten Publikum mit Witz und Ironie zu vermitteln.
"Ich werde Quatschmacher"
Ihre Markenzeichen: Berliner Schnauze und vollschlanke Figur. Die Kabarettistin, Entertainerin und Sängerin Helga Hahnemann wird von ihren Fans liebevoll als "Henne" bezeichnet. In der DDR ist Hahnemann ein großer Publikumsliebling und füllt die großen Häuser. Für die Karriere als Komikerin entscheidet sie sich bereits als Vierjährige als sie ausreißt, um von Berlin nach Danzig zu laufen. Ihrer Mutter sagt sie damals: "Ich werde Quatschmacher!" Nach dem Schauspielstudium feiert Hahnemann ihren Durchbruch 1974 in ihrer Paraderolle als "Traudl Schulze", einer Diplomraumpflegerin mit breitem Berliner Akzent.Eine steile Karriere folgt mit zahlreichen Shows, in denen Hahnemann moderiert, steppt und singt. Auch privat schöpft sie aus dem Vollen: Rauchen, essen - und lieben. Ihre langjährige Beziehung zum Regisseur Ralf Thieme zerbricht am exzessiven Lebensstil. Danach findet Hahnemann kein Glück mehr in der Liebe. Was zählt sind nur noch die Arbeit und das Publikum. Ein großer Erfolg wird die Show "Ein Kessel Buntes", die sie moderiert - ein Straßenfeger. Am Ende ihrer Karriere verschweigt sie ihre Erkrankung an Lungenkrebs. 1991 stirbt Helga Hahnemann mit nur 54 Jahren. In Gedenken an sie wurde 1995 der Publikumspreis "Die goldene Henne" ins Leben gerufen.
Star mit Lampenfieber
Eigentlich wollte Heinz Erhardt Pianist werden. Doch es sollte ganz anders kommen. Am Leipziger Konservatorium lässt er sich am Klavier ausbilden. Als Unterhaltungsmusiker tingelt er durch die Cafés, doch die Karriere kommt nicht in Gang. 1938 wird Erhardts kabarettistisches Talent endlich entdeckt. Er geht nach Berlin, komponiert humoristische Lieder, arbeitet für Rundfunk und Theater. Die großen Erfolge kann Heinz Erhardt in den 1950er Jahren im Fernsehen feiern. Sein Witz besteht vor allem aus Kalauern und Satzverdrehern. Nie strahlt er etwas Boshaftes aus, sondern wirkt immer arglos und sympathisch schüchtern.Erhardt mimt zumeist den "kleinen Mann", der sich gegen die "Großen" durchsetzen will - damit können sich viele Zuschauer identifizieren. Die Reihe der "Willi"-Filme sind beste Beispiele für Erhardts Paraderolle. Um sein Lampenfieber vor Bühnenauftritten zu bekämpfen, behilft sich der Komiker mit einem Brillengestell ohne Glas. Da er extrem kurzsichtig war, konnte er so das Publikum nicht sehen. Verheiratet ist Erhardt mit der Konsulstochter Gilda Zanetti, mit der er vier Kinder hat.1971 erleidet er einen Schlaganfall, der zu rechtsseitiger Lähmung und Sprachverlust führt. Der Komiker zieht sich von der Bühne zurück ins Private. Nach seinem Tod im Jahr 1979 fand man in seinem Nachlass frühe Klavierkompositionen, die posthum vertont und vermarktet wurden.

