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Sendung vom 01.09.2012 [Archiv]

Angriff auf den Westen

Als Hitler beinahe den Krieg gewann

Hitler der Sieger des Krieges und Europa unterm Hakenkreuz? Der renommierte britische Historiker Sir Ian Kershaw hält das Schreckensszenario eines deutschen "Endsiegs" politisch und militärisch für durchaus plausibel. Im Sommer 1940 habe das Schicksal des Westens "auf Messers Schneide" gestanden. 

Angriff auf den Westen

Britische Soldaten bewachen eine abgestürztes deutsches Jagdflugzeug

(30.08.2012)

Nach dem überraschend schnellen Sieg der Wehrmacht über die französischen und britischen Armeen im Frühjahr 1940 schien einer langfristigen deutschen Hegemonie in Europa nichts mehr im Wege zu stehen. ZDF-History rekonstruiert die drei kritischen Momente des Sommers 1940 - drei Momente, die entscheidend dazu beitrugen, Terror und Barbarei unter dem Hakenkreuz zu besiegen.

ZITAT

Wenn die Entscheidung anders gefallen wäre? England hätte um Frieden gebeten und Hitler den Krieg im Westen bekommen.”

Ian Kershaw

Der richtige Mann

Der 10. Mai 1940 war einer der entscheidenden Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs. An diesem Tag griff Hitlers Wehrmacht neben Frankreich auch die bis dahin neutralen Länder Belgien und Holland an. Am gleichen Tag wurde in London Winston Churchill vom König zum neuen Premier ernannt.

Das britische Heer ist klein und die besten Einheiten stehen in Frankreich vor einer vernichtenden Niederlage. Einflussreiche Kreise der Londoner Politik forderten die Aufnahme von Verhandlungen mit Berlin. Ein Verständigungsfrieden zwischen Großbritannien und Hitlers Deutschland hätte das NS-Regime auf unabsehbare Zeit festigen können. Premier Churchill schwörte die Briten auf einen langen Kampf ein. Am 21. Mai erfolgte bei Arras der Gegenschlag der Alliierten.

Dünkirchen

Die Wehrmachtführung erwartete seit Tagen ein gefährliches Aufbäumen des Gegners. Am 24. Mai 1940 ein für die Generäle überraschender Befehl Hitlers: Vormarsch stoppen - Stellung halten. Nur rund 20 Kilometer trennten die deutschen Panzerfahrer vom Seehafen Dünkirchen, um den Briten den Rückweg nach England abzuschneiden.

Als Hitler nach zwei Tagen klar wurde, dass er einen Fehler gemacht hatte, widerrief er den Befehl. Für die Briten bedeutete dies 48 Stunden Zeit, den rettenden Hafen zu erreichen. Allerdings unter ständigem Beschuss durch deutsche Flugzeuge.

Kriegsglück

Kriegsglück

In London tagte das britische Kabinett in diesen Tagen fast rund um die Uhr. Außenminister Lord Halifax warb für Verhandlungen mit Hitler, Churchill hielt dagegen und konnte die Minister überzeugen. Laut Ian Kershaw ein kriegsentscheidender Moment. Einer der wichtigsten Siege des Krieges - errungen mit Worten, nicht mit Waffen.

Trotz der Niederlage von Dünkirchen gelingt es Churchill, die verlorene Schlacht zu einem strategischen Sieg umzudeuten und die Moral der Truppe hoch zu halten. Im Duell gegen Hitler war Dünkirchen Churchills erster Achtungserfolg, den er mit einer gehörigen Portion Kriegsglück erzielte: Hätten die deutschen Panzer nicht vor Dünkirchen Halt gemacht, wäre das gesamte britische Expeditionskorps in Gefangenschaft geraten.

Bombenabwurf während des Zweiten Weltkriegs / Quelle: ZDF
Bombenabwurf während des Zweiten Weltkriegs (Quelle: ZDF)

Luftkrieg

Am 13. August 1940 begann die deutsche Luftschlacht gegen England. Die Royal Airforce war ständig in Alarmbereitschaft und auch technisch auf dem neuesten Stand. Die Piloten der Luftwaffe trafen auf einen ebenbürtigen Gegner. Der Schwachpunkt auf deutscher Seite: keine schlüssige Strategie.

Bombenabwurf während des Zweiten Weltkriegs (Quelle: ZDF)
Das britische Luftleitsystem war abhängig von seinen elektronischen Augen, den Radaranlagen entlang der Küste. Ausgerechnet dieses Herzstück der britischen Luftabwehr griffen die Deutschen kaum an. Der Kampf um die Luftüberlegenheit endete für die Gegner als verlustreiches Unentschieden.

Angriff auf Zivilisten

Um die eigenen Verluste geringer zu halten, flogen die deutschen Bomber vor allem nachts. Neben Industrieanlagen verwüsteten sie auch ganze Stadtviertel: Lange vor Hamburg, Dresden und Berlin wurden Coventry und London Opfer von Bombennächten.

Mehr als 40.000 Zivilisten starben durch deutsche Bomben. Verhandlungen waren danach für alle Briten ausgeschlossen. Im Oktober 1940 musste Hitler die Landung in England auf unbestimmte Zeit vertagen. Die Luftschlacht um England war verloren - militärisch und politisch. Schon im Herbst 1940 stand der Gewinner des großen Duells fest.

01.09.2012

Sendungsinformationen

Samstag 01.09.2012, 22:25 - 23:10 Uhr 

VPS 01.09.2012, 22:25 Uhr


Länge: 45 min.

Dokumentation, 2010

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