Wer waren die Kelten?
Die Kelten waren kein einheitliches Volk, doch Sprache und Kultur waren allen Stämmen gemeinsam. Karierte Stoffe waren ihre Erfindung. Sie hatten keine eigene Schrift und kannten nur mündliche Überlieferung. Darin ist viel von Helden und großen Schlachten die Rede. Die meiste Zeit jedoch verbrachten sie mit Ackerbau und Viehzucht.
Zeit der Wanderung
Seit etwa dem 6. Jahrhundert vor Christus bevölkerten die Kelten weite Teile Europas. Anfangs lebten sie nur in Dörfern, später gründeten sie die ersten Städte nördlich der Alpen. Im 5. Jahrhundert vor Christus begann eine Zeit der Wanderung: Kelten ziehen nach Italien, über den Balkan, nach Griechenland und bis in die Türkei. Eine Vielzahl von Spuren hinterließen sie im heutigen Österreich, das zu einem ihrer Stammgebiete gehörte.Übersicht der einzelnen Folgen
Wie es begann
Wer waren die Kelten? Woher kamen sie? Was war das Besondere an ihrer Kultur? Die Kelten sind für uns deshalb ein so großes Rätsel, weil keinerlei schriftliche Zeugnisse aus frühgeschichtlicher Zeit vorhanden sind, die uns Aufschluss geben über ihre Existenz und Lebensweise. Dass es sie dennoch gab, beweisen heute nur noch Schriftstücke ihrer Bezwinger in zahlreichen Kämpfen: die Griechen und die Römer. Wir erfahren vieles über die Kelten, doch aus den Augen anderer Völker. Phantasievolle Vorstellungen sehen in den Kelten die Erbauer erhabener Bauwerke wie das südenglische Stonehenge und Steinformationen – die Cromlechs - wie zum Beispiel im schottischen Gebiet Callanish.
Die Wiege der Kelten steht jedoch nicht in England, sondern in Mitteleuropa. In der Nähe des österreichischen Ortes Hallstein gruben Archäologen Friedhöfe und Salzminen aus, die Rückschlüsse auf eine Kultur erlauben, die nunmehr fast 3000 Jahre zurückliegen muss. Die Kelten waren ein streng religiöses Volk. Sie lebten zu einer Zeit, in der sich Stämme gegenseitig auslöschten. Trotzdem hatten sie eine immens stabile gesellschaftliche Struktur, in der die Frau keine untergeordnete Rolle spielte. Im Gegenteil, viele Stämme hatten sogar weibliche Oberhäupter. Es war eine große Gesellschaft, in der viele Schichten ihren festen Platz hatten: Krieger, Barden, Druidenpriester, Künstler und Handwerker.
Geschlagene Helden
Die zweite Entwicklungsperiode der Kelten wird nach dem schweizerischen Ort La Tène am Ufer des Sees zu Neufchâtel benannt. Durch einen stark abgesunkenen Wasserspiegel während der Trockenzeit im Jahr 1857 war man am Uferbett des Sees auf altertümliche Kunstwerke gestoßen.
Eine völlig neue Stilrichtung der Kunst kam zum Vorschein: lebhafte Rundungen und Kurven. Tausende weiterer Funde dieser speziellen Art in ganz Europa erlauben den Schluss: Diese Kunst war einzigartig, mächtig und kompliziert, genauso wie das Volk, das sie erschaffen hatte. Die keltische Kultur erstreckte sich über ein riesiges Gebiet: Vom Osten reichte sie von Anatolien bis zur iberischen Halbinsel, und vom südlichen Mittelmeer langte sie bis zur Nordsee.
Das Überqueren der Alpen muss um 400 vor Christus stattgefunden haben. Keltische Stämme attackierten Rom und das griechische Delphi. Die Kelten bestanden aus Einzelstämmen. Eine zentrale, lenkende Gewalt oder einen Herrscher gab es in ihrer Welt nicht. Als sie später der Einheit des römischen Imperiums gegenübertraten, bedeutete dies ihre Vernichtung. Der Abstieg der Kelten begann.
Die heiligen Wälder
Die Welt der Kelten ist umgeben von Geheimnissen. Besonders ihr religiöser Glaube und dessen Praktizierung gibt uns bis heute Rätsel auf: Ihre Auffassung vom Jenseits – der anderen Welt, ihre vielgestaltigen Götter, ihre Priester und Menschenopferungen, der Kult um das menschliche Haupt, ihre Wälder und natürlichen Kultstätten –, all dies sind die Facetten keltischer Religion. Viele ihrer Merkmale sind bis in unsere heutige Zeit lebendig geblieben.
Viele traditionelle Feste in Mitteleuropa haben ihre Wurzeln in der heidnischen Vergangenheit der Kelten. Viele Völker führen deren Riten immer noch aus, wenn auch in abgewandelter Form. Eine Neigung war allen keltischen Völkern gemein und hat sich über Generationen weitervererbt: die Liebe zur Dichtkunst, zur Musik und zum Erzählen.
Von Camelot zum Kreuz
Der langsame Zerfall des römischen Reiches führte zur Bildung neuer, fremdartiger Kulturen wie zum Beispiel der Sachsen, der Engländer und der Franken. Sie wurden die neuen Feinde der Kelten und trieben sie immer weiter in den Westen.
Einem Mann, Arthur, gelang es, das Vordringen der Angelsachsen aufzuhalten. Doch wer war er? Was war er? Hat er tatsächlich existiert?
Arthur stand ein für eine sagenreiche keltische Welt, die immer mehr mit der Welt der Missionare des Christentums in Verbindung gebracht wurde. Die Kirche unterstand keinen zentralen und autoritären Gesetzen und so verwoben die Überlieferer ihre Geschichten mit Elementen heidnischer Volksweisheiten. Die Trennlinie zwischen dem Wunder der Christenheit und keltischer Zauberei ist nur sehr dünn.
Eingebettet in diesen sich etablierenden heidnisch-christlichen Glauben ist es der religiösen Seite der keltischen Kultur gelungen, zu überleben. Von Rom wurde dieser Glaube geringgeschätzt, doch hat er einige der berühmtesten Missionare des katholischen Christentums hervorgebracht. In den Wirren des düsteren Mittelalters haben die keltischen Heiligen dafür gesorgt, dass das Licht des Christentums im nördlichen Europa nicht verloschen ist.
Legende und Wahrheit
Das Jahr 1066 ist wohl das berühmteste Datum der britischen Geschichte. Es bezeichnet den Einfall und den Sieg der Normannen über Britannien und natürlich über die Kelten. Die prächtigen Schlösser der Normannen zieren noch heute die englische Landschaft, doch sie erinnern auch an die eiskalte Herrschaft ihrer ehemaligen Bewohner und an viele blutige Schlachten. Die Anglo-Franzosen etablierten die Feudalstruktur des Kontinents auf der britischen Insel. Das bedeutete, die Kelten verloren ihren Besitz, ihre Gesetze und sogar ihre Heldengestalten. Viele der mitteleuropäischen Literaturwerke des Mittelalters sind nichts weiter als poetisch ausgeschmückte alte keltische Legenden. Dabei hat keine Geschichte die Schreiber so fasziniert wie die des sagenumwobenen Königs Arthur.
Im 11. Jahrhundert begann die stetige Ausweitung englischer und französischer Macht auf die urtümlich keltisch gebliebenen Gebiete Wales, Irland und Schottland. Sie alle verloren ihre Unabhängigkeit. Es dauerte bis ins Jahr 1801, dann war auch das letzte keltische Volk - Irland - vom Vereinigten Königreich aufgesogen worden.
Ein verklungenes Lied?
Der Begriff „Kelte“ taucht zum ersten Mal im Jahre 1707 auf, als sich England und Schottland vereinigten. Kein Zufall, wie die glauben mögen, die darin eine Behauptung der schottischen Minderheit über die verlorene Identität sahen. Die auf diese Weise ausgelebte Behauptung des Selbstbewusstseins ist über das große Aussterben der keltischen Völker bis ins 19. Jahrhundert und von da aus bis in unsere heutige Zeit lebendig geblieben.
Die Kelten, wo auch immer sie siedelten, wurden von zwei sich bekämpfenden gigantischen Völkern – Britannien und Frankreich – über Jahrhunderte hinweg aufgesogen oder aber dazu gebracht, ihre eigene Kultur leidenschaftlich zu verteidigen.
So ungewiss wie ihre Existenz ist auch die Zukunft der Kelten in unserer Welt - einer Welt, die kulturelle Vielfalt begrüßt und doch zum Bestreben verdammt scheint, sie zu beherrschen.


