Reine Geschmacksache
Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 85 Jahren belegen die Japanerinnen weiterhin Platz eins der weltweiten Langlebigkeits-Charts (die Männer kommen auf Platz drei) und die Experten sind sich einig - das liegt vor allem an ihrer Ernährung. Mehr noch: Japaner werden statistisch gesehen wesentlich seltener von den ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten heimgesucht, die uns so sehr zu schaffen machen: Bluthochdruck und Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall und bestimmte Krebsarten.
Buchweizen gegen hohen Blutdruck
Höchste Zeit also, den Japanern einmal ausgiebig in ihre Töpfe zu gucken, sagte sich Gert Anhalt, langjähriger Japan-Korrespondent des ZDF, und begab sich allein, bewaffnet mit der Kamera auf einen Gesundheitstrip, der ihn von den sturmumbrausten Küsten der Nordinsel Hokkaido bis hinunter ins subtropische Okinawa führte.Gert Anhalt trifft Seetang-Fischer auf Hokkaido, die das nahrhafte und vitaminreiche Meeresgemüse in mühevoller Handarbeit ernten und trocknen, lernt die beliebten Soba-Nudeln aus Buchweizen kennen, die den Blutdruck senken und ergründet in Mito die wundersame Welt der gegorenen Sojabohne, "natto". Es ist früh am Morgen, aber von Brötchen, Marmelade und Honig fehlt jede Spur. Zum Frühstück gibt es Natto, und das sieht erschreckend anders aus. Hauptbestandteil sind gegorene Sojabohnen - klebrig und seltsam riechend. Natto, das bedeutet für die Japaner ein Wundermittel gegen allerlei Gebrechen - und das seit Jahrhunderten.Anhalts Speisereise
Für herzhafte polnische Piroggen oder Bigosch macht sich Reporter Gert Anhalt auf den Weg und erkundet die Kochkultur der Polen im Vorfeld der EM 2012 und das nicht ohne Witz und Humor.
Wenn ein Präsidentschaftskandidat vor einer Wahl erklärt, er sei Vegetarier, riskiert er seine politische Karriere. Speck ist in der Ukraine mehr als ein Nationalgericht.
Nicht prall satt, sondern zufrieden
Die japanische Hauptstadt Tokio erlebt der Reporter als die essensversessenste Stadt der Welt und begreift, dass Japaner auch deswegen so gut und gesund essen, weil sie nicht wie wir an der Ernährung sparen: Die Deutschen wenden im Durchschnitt gerade mal acht Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Nahrungsmittel auf. Die Japaner aber bis zu 25 Prozent. Und das nicht nur, weil ein hochklassiges Rindersteak in diesem Land auch gerne mal 300 Euro kosten kann.In der Stadt Matsusaka begleitet Gert Anhalt einen Rinderzüchter mit seinen teuren Kobe-Kühen zur Fleischauktion und erforscht in der alten Kaiserstadt Kyoto die erlesenen Genüsse der raffinierten japanischen Hochküche. Deren wichtigster Regel würde jeder Ernährungsberater begeistert zustimmen: nur Lebensmittel aus der Saison und aus der Region kommen auf den Tisch. Und man isst sich hier nicht prall satt, sondern isst sich nur zufrieden - gesünder geht's nicht. Und schöner auch nicht.Uralte Kunst, seit 28 Generationen
Meisterkoch Konishi erklärt, warum die Dekoration ein so wichtiger Teil des japanischen Essgenusses ist. Herr Konishi kann nicht nur kochen, sondern ist auch Meister einer uralten Kunst, die in seiner Familie seit 28 Generationen gepflegt wird: das shiki bocho - die Kunst, einen Fisch zu filetieren, ohne ihn dabei zu berühren.Über die im ganzen Land bekannten Imbissbuden der Stadt Fukuoka im Norden Kyushus führt der Weg weiter nach Okinawa, dessen Bevölkerung selbst im langlebigen Japan noch eigene Maßstäbe setzt: nirgends auf der Welt gibt es mehr Hundertjährige als hier. Drei hinreißende Damen vom Altenclub auf der Insel Ishigaki kochen für den müden Reporter am Ende einer langen Reise das, was als das gesündeste Essen der Welt gelten muss. Japan von Nord nach Süd, eine Reise durch Küchen und Kuhställe, Restaurants und Imbissbuden, auf der Gert Anhalt Nudelesser und Reiskneter, Tofuschnitzer und Sushimeister trifft.

