118 Meter lang, 15 Meter breit, 60 Meter Masthöhe - die Sedov ist eine imposante Erscheinung. Der majestätische Viermaster ist das größte, noch fahrende, traditionelle Segelschiff der Welt. An Bord befinden sich Offiziere, Matrosen, Segler - und 110 Kadetten, die hier lernen sollen, was einen Mann zu einem echten Matrosen macht.
"Los, los - schneller!", schreit Segler Sascha Verbitskiy. "Wenn ihr frühstücken wollt, müsst ihr in die Puschen kommen, das geht alles von eurer Zeit ab." Mit verschlafenen Gesichtern schleppen sich die Kadetten früh morgens aus der Kajüte und versammeln sich an Deck der Sedov - Manöveralarm. Innerhalb von zehn Minuten muss jeder seinen Platz gefunden haben. Die Segel sollen gesetzt werden.
Drei Monate segeln die Kadetten kreuz und quer durch Ostsee und Nordatlantik. Neben Kursbestimmung, Navigieren und Seekarten lesen, ist ihr Alltag vor allem von schweißtreibender Arbeit geprägt. "Die Kadetten müssen hier ganz schön ran. Segel setzen, Schiff putzen und so weiter", erklärt Ausbilder Wladimir Semakow. "Und auch innerlich werden sie geformt, zu Disziplin, Höflichkeit, Geduld. Alles eben, was man im späteren Leben braucht."

Semjon Krasawin möchte in seinem späteren Leben selbst ein Schiff leiten: "Natürlich möchte ich mal Kapitän werden. Welcher Kadett möchte das nicht?" Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wie die anderen Kadetten auf der Sedov studiert er in Russlands hohem Norden und sammelt nun auf dem Schiff die nötige Paraxiserfahrung.
Dazu gehört auch, dass jeder mal den Küchendienst übernimmt. Dann heißt es: Tisch decken, Geschirr spülen und Kartoffeln schälen - viele Kartoffeln. Denn die Arbeit an der frischen Luft macht hungrig. "Es muss richtig Kalorien haben, die Jungs brauchen das. Wenn sie andauernd den Mast hochklettern, müssen sie auch fit sein", erklärt Chefkoch Alexander Boltenkov und wirft noch ein dickes Stück Fleisch in den Kochtopf.

Freizeit bleibt bei dem streng durchorganisierten Tagesablauf wenig. Nur am Abend zwei Stunden. Die nutzen die meisten im kleinen Fitnessstudio. Geschlafen wird in Großraumkajüten mit 25 Betten. Da bleibt für Privatsphäre wenig Platz. Und so flüchten sie sich in ihre Träume - oder singen: Davon, wie stolz sie sind, auf der Sedov zu sein. Aber auch davon, wie sehr sie Freunde und Familie vermissen.
Etwas mehr als eine Stunde nach dem Weckruf sind die Segel gesetzt. Der Motor wird abgestellt und die Sedov segelt. Fast lautlos gleitet das große Schiff nun über das Wasser. Die Kadetten haben ihre Bewährungsprobe bestanden.