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12. Februar 2012
 

ZDFinfo

 
Solarhaus des deutschen Teams. Quelle: C. Schenk
Das Solarhaus des deutschen Teams zog viele Besucher an.

Solares Wiohnen

Der Wettbewerb um das beste Solarhaus

Eindrücke vom "Solaren Zehnkampf" in Washington

von Claus Schenk

Dem autarken Solarhaus gehört die Zukunft - doch architektonisch und technisch anspruchsvoll muss es sein. Das hat auch das amerikanische Energieministerium erkannt und den "Solaren Zehnkampf" - "Solar Decathlon" genannt, ins Leben gerufen. Vom 8. bis 16. Oktober präsentierten 20 studentische Teams aus aller Welt ihre Ideen für das umweltfreundliche Wohnen von morgen. Claus Schenk war für ZDF.umwelt mit dabei - und hat sich von den solaren Visionen begeistern lassen.

 
 
 
 

OechsleDie Washington Mall ist für Amerika quasi heiliger Boden. Auf dem Grün zwischen Capitol und Washington Monument hielt Martin Luther King seine berühmten Reden, wurde gegen den Vietnamkrieg demonstriert - und jetzt stehen hier 20 futuristische Solarhäuser. Das sagt immerhin etwas über den Stellenwert des "Solar Decathlon" aus. Das amerikanische Energieministerium D.O.E. will die Idee des solaren Wohnens unter die Leute bringen.

 
Die Washington Mall mit Blick auf das Kapitol . Quelle: C. Schwenk
C. Schwenk
Die Washington Mall mit Blick auf das Kapitol war acht Tage lang Austragungsort für den Solaren Zehnkampf.
Solarhaus des kanadischen Teams. Quelle: C. Schenk
C. Schenk
Das Solarhaus des kanadischen Teams.

Teams aus aller Welt

20 Universitäten treten mit ihren Konzepten gegeneinander an, darunter Teams aus Spanien, Kanada, Puerto Rico, den USA - und als Titelverteidiger: die TU Darmstadt. Zwei Jahre Planen, Tüfteln und Bauen liegen hinter den Studenten und vor ihnen liegen jetzt acht Tage Wettkampf.

Ziel: die Häuser müssen den gesamten Energiebedarf eines Zwei-Personen Haushalts mit Sonnenstrom decken. In zehn Kategorien werden die Häuser auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft: Kochen, Waschen, die Haushaltsgeräte müssen funktionieren, Warmwasser bereit stehen sowie Luftfeuchtigkeit und Temperatur der Räume müssen bestimmte Werte einhalten und, und, und. Wer gedacht hat, dass wird ein lockeres Zusammensein, hat sich schwer getäuscht.

 

Tag eins: Aller Anfang ist schwer

Im deutschen Haus streikt gleich zu Beginn die Wärmepumpe, der Strom fällt aus. In den Wettbewerben gehen wertvolle Punkte verloren. Die Hektik ist groß. Ständig wird geschraubt. Die Stimmung ist angespannt. Noch läuft das Team nicht rund. Aber auch die anderen Mannschaften haben Probleme. Spanien verliert einen Wertungstag, weil die Stromanschlüsse nicht amerikanischen Standards entsprechen.

 

Tag zwei: Großes Interesse

Die Besucher kommen in Scharen. Mit dem Andrang hatte niemand gerechnet. "Being Green" ist in den USA angesagt. Klimaschutz und alternative Energien ein wichtiges Thema. Lange Warteschlangen ziehen sich um die Häuser. Vor allem der deutsche Entwurf lockt die Massen an. Bis zu 60 Minuten warten die Menschen geduldig bei Sonne und Regen, um zehn Minuten German Design und High-Tech zu bestaunen. Und wirklich ist das deutsche Haus einzigartig.

 

Den Studenten ist es gelungen, die Solarmodule in die Architektur zu integrieren, anstatt einfach ein paar Module aufs Dach zu montieren. Schwarz und glänzend präsentiert sich der deutsche Gebäudequader. Und immer wieder die Frage der Besucher, wo denn die Solarzellen seien - sie stehen davor, ohne sie zu erkennen.

 
Solarhaus des deutschen Teams. Quelle: C. Schenk
C. Schenk
Das Solarhaus des deutschen Teams.

Tag drei und vier: Begeisterte Gäste

Die ersten Jurys besuchen das Haus. In jeweils knappen 30 Minuten müssen architektonisches Konzept, Marktfähigkeit und Kommunikation präsentiert werden. Zudem ist Columbus-Day, für die Amerikaner ein langes Wochenende. Allein am Sonntag besuchen über 1.600 Gäste das deutsche Gebäude - und sind begeistert. Deutsche Technologie ist ein Magnet. Immer wieder hören wir: "Germany will win". Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

 

Tag fünf: Erste Enttäuschung

Die ersten Wettbewerbe - Architektur und Marktfähigkeit - gehen an das Team aus Kalifornien und Louisiana. Im deutschen Lager herrscht Enttäuschung. Gerade in Architektur, der Königsdisziplin, hatten die Darmstädter mehr als nur einen dritten Platz erwartet. Und in der Marktanalyse liegen sie nur auf Rang fünf. Aber in der Gesamtwertung - in die ständig Punkte aus den kontinuierlichen Hausmessungen einfließen - klettert Deutschland auf den zweiten Platz, hinter den Kaliforniern. Trotzdem: Langsam verfliegt die Siegessicherheit, die anderen Teams sind harte Konkurrenz. Doch die starken Disziplinen kommen noch: Technische Leistung und Stromeinspeisung. Hier hoffen die Deutschen zu punkten.

 

Aber: die amerikanischen Jurys legen viel Wert auf Alltagstauglichkeit. Dazu zählen auch Kaufpreis und Wohnkomfort. Und da liegt der visionäre Ansatz aus Germany mit mindestens 700.000 Dollar nicht ganz auf der Linie. Und nicht allen behagt das ausgetüftelte Ein-Raum Konzept. Betten, die unter der Treppe herausgezogen werden, lassen Amerikaner staunen, bleiben aber Wohn-Fiktion. Andere Teams blieben einfacher und klassischer: 80 Quadratmeter für 150.000 Dollar, inklusive der Photovoltaik. Ausgestattet mit sturmsicheren Glas für die Hurrikan-Saison - für die Karibik haben die Studenten aus Puerto Rico einen gelungen Entwurf hingelegt, der auch Chancen hat, verwirklicht zu werden.

 
 
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