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10. Februar 2012
 

ZDFinfo

 
Delphinwatching auf Gomera. Quelle: ZDF
Delfin-Watching auf Gomera

Geliebt, gejagt, gefangen

Das Milliardengeschäft mit den Delfinen

Flippers grausames Erbe: Weltweit gibt es etwa 200 Delfinarien und Aquarien mit Delfinen. Oft ist die Haltung der intelligenten Meeressäuger mit Delfin-Shows verbunden. Seit der TV-Serie "Flipper" in den 1970er Jahren boomt das Geschäft. Delfine werden immer häufiger auch für medizinische Zwecke eingesetzt. Und das, obwohl es keine einzige eindeutige Studie zur Wirksamkeit solcher Delfin-Therapien gibt.

 
 
 
 

Millionenfach strömen Menschen in die Shows, erfreuen sich an akrobatischen Kunststücken und lustigen Kapriolen. Delfine lernen schnell, denn sie sind intelligent und haben eine Sprache aus komplexen Verständigungslauten.

 

Unser "Ebenbild im Meer"

Auf dem weltgrößten Wissenschaftskongress in San Diego stellte US-Forscherin Lori Marino im Februar 2010 neueste Forschungsergebnisse über die Intelligenz von Delfinen vor. Demnach stehen sie mit ihrer Intelligenz noch vor Menschenaffen und folgen direkt nach dem Menschen. "Sie sind hochintelligente Wesen mit Ich-Bewusstsein, Persönlichkeit und Einfühlungsvermögen, die in komplexen sozialen Verbänden leben", sagt die Spezialistin. Sie leitet das Programm "Nervenwissenschaft und Verhaltensbiologie" an der Emory Universität in Atlanta und hat zahlreiche Publikationen zum Verhalten von Delfinen veröffentlicht.

 
Delfine in Eilat am Roten Meer. Quelle: ZDF
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Dolphin Reef in Eilat am Roten Meer

Ich-Bewusstsein und Sprache - Mensch und Delfin gleichen sich so sehr, dass einige Ethiker sie als unser "Ebenbild im Meer" bezeichnen. Möglicherweise ein Teil jener Faszination, die Menschen aller Altersgruppen in den Bann dieser Tiere zieht. Zudem lächeln sie - aber nur scheinbar. Delfine haben keine Gesichtsmuskeln und der Ausdruck, der für uns Lächeln bedeutet, begleitet sie ungewollt ihr Leben lang.

 

Delfine leiden

In Gefangenschaft wird das scheinbare Lächeln zum Verhängnis. Es suggeriert Wohlbefinden, wo in Wirklichkeit meist extremes Leid vorherrscht. Ihr Hauptorgan ist auf akustische Ortung in den Weiten der Meere ausgelegt und dient zur Orientierung und zum Jagen. Sie können mehrere hundert Kilometer täglich zurücklegen und leben in sozialen Großverbänden, in denen sie sich fürsorglich ein Leben lang um einander kümmern.

 

All das wird in der Enge der Gefangenschaft unvermeidbar zerstört. Anfängliche Zwangsernährung und medizinische Tricks begleiten die traumatisierten Tiere, die in Gefangenschaft als "Goldesel" der Meere arbeiten müssen. Für die meisten - auch für neugeborene Kälber - bedeutet das den vorzeitigen Tod.

 

Nachschub aus dem Ozean

Sie werden geliebt, gejagt und gefangen. Tierschutzorganisationen versuchen seit Jahren, auf die verlustreiche Beschaffung aufmerksam zu machen. 2010 machte ein Kinofilm unerwartet Furore - "Die Bucht" ist ein mehrfach ausgezeichneter Ökothriller. Zentrale Figur des Films ist Ric O'Barry. Der ehemalige Flippertrainer wechselte die Seiten und wurde zum Delfinschützer.

 
Ric O'Barry und Journalist Hans Peter Roth. Quelle: ZDF
ZDF
Ric O'Barry (l.) und Wissenschaftsjournalist Hans Peter Roth
 

Mit dem Filmteam gelangen ihm Aufnahmen mit versteckten Kameras, die ein unglaubliches Massaker an Delfinen zeigen. Mehr als 2000 Delfine werden jährlich im japanischen Taiji getötet. Die meisten für den Lebensmittelhandel, wo sie oft als Walfleisch umdeklariert verkauft werden. Die Fischer verdienen kaum daran. Den Gewinn in Millionenhöhe machen die Delfinhändler. Sie verkaufen die aussortierten lebendigen Tiere weltweit als Nachschub für Delfinarien.

Infobox

Richard (Ric) O'Barry, geboren 1941, wurde in den 1960er Jahren als Trainer des Fernsehdelfins "Flipper" bekannt. 1970 starb einer seiner Delfine - ein Schlüsselerlebnis. O'Barry engagierte sich fortan als Aktivist und Tierschützer - inklusive Befreiungsaktionen und Verhaftungen.

Delfinarien in Deutschland

In Deutschland gibt es von ehemals neun Delfinarien nur noch den Allwetterzoo Münster, den Duisburger Zoo und den Tiergarten Nürnberg. Letzterer ist besonders oft in die Kritik geraten. Es gab Unfälle mit Todesfolgen für die Delfine und alle sieben neugeborenen Delfinkälber der vergangenen Jahre überlebten nicht. Der Tiergarten investiert nun massiv und hofft, mit einer "Lagune" vor allem das Problem der Nachzucht regeln zu können. Die Fertigstellung des rund 20 Millionen Euro teueren Projekts wird nach Bauverzögerungen nun im Jahr 2012 erwartet.

Deutsche Delfinarien betonen ihren wissenschaftlichen und erzieherischen Auftrag und weisen darauf hin, keine Wildfänge aus Japan zu haben. Delfinschützer kritisieren dennoch die Haltung als nicht artgerecht. Auch Wildfänge aus anderen Regionen wie den kubanischen Gewässern seien mit viel Leid für die Tiere verbunden. Nürnberg bietet zudem als einziger Tiergarten in Deutschland Delfintherapie an. Mit dem Neubau der Lagune, die im Außenbereich mindestens 2000 Zuschauerplätze haben soll, möchte man auch die Therapie ausweiten. Ziel sind etwa einhundert Behandlungen im Jahr, die Kosten liegen bei 2500 Euro pro Therapiewoche.

 

Eine Studie der Universität Würzburg bescheinigt der Therapie in Nürnberg positive Wirkung bei verschiedenen Behinderungen. Dennoch wird sie kritisiert: Die Bewertung beruhe im Wesentlichen auf der positiven Einschätzung der beteiligten Eltern. Weltweit gelten solche Studien als wissenschaftlich ungenügend belegt.

 
 
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