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10. Februar 2012
 

ZDFinfo

 
Sonnenuntergang in Istanbul mit Blick auf die Yeni Moschee. Quelle: Alexandra Stapf
Abendstimmung in Istanbul - die Yeni Moschee

Reise

weekend: Istanbul

Ein Kurztrip in die Metropole am Bosporus zwischen Orient und Okzident

Istanbul, das alte Konstantinopel, ist die größte Stadt der Türkei und mit ihrer 3000-jährigen Geschichte eine der ältesten, noch bestehenden Städte der Welt. Hier leben offiziell rund 13 Millionen Menschen, Schätzungen zufolge sogar 16 Millionen. Istanbul erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite des Bosporus und ist damit die einzige Metropole, die auf zwei Kontinenten liegt. Die Stadt lebt - und zwar 24 Stunden am Tag. Unendlich viele unterschiedliche Eindrücke machen sie so einzigartig. Die Menschen sind sehr geschäftstüchtig, und das meiste Leben findet auf den Straßen statt. Auch die Architektur ist außerordentlich vielseitig: Es gibt richtig alte kleine Häuser, natürlich die beeindruckenden Moscheen, aber auch moderne Wolkenkratzer.

 
 
 
 

Istanbul ist groß, und die Strecken zwischen den einzelnen Stadtteilen sind teilweise nur mit Taxi, Bus oder Schiff zu bewältigen. Aber es lohnt sich, auch die vom trubeligen Zentrum entfernten Stadtteile zu erkunden und die ruhigen Seiten von Istanbul kennen zu lernen - in drei Tagen, von Freitag bis Samstag, an einem "weekend" eben.

Blick auf den Stadtteil Sultanahmet direkt am Bosporusufer gelegen. Quelle: Alexandra Stapf
Alexandra Stapf
Istanbuls Stadtteil Sultanahmet am Bosporusufer

Ankunft am Freitag

In Sultanahmet, nahe der Blauen Moschee und der Hagia Sofia, liegt das Hotel Empress Zoe. Als die beiden Schwestern Ann und Christina das Hotel kauften, wussten sie noch nicht, welchen kulturellen Schatz sie erworben hatten. Bei den Renovierungsarbeiten entdeckten sie, dass die Wände ihres Hauses die Mauern eines uralten Hamam-Bades waren. Nach und nach erwarben sie weitere Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft und haben mittlerweile 25 Zimmer und kleine Suiten - alle individuell kreiert. Die Herzlichkeit der beiden Schwestern ist im gesamten Hotel zu spüren. Ein kleiner Innenhof im Zentrum der Gebäude lädt zum Frühstück in der Morgensonne oder zum gemütlichen abendlichen Wein ein.

 

Die Hauptschlagader von Tünel ist die Istiklâl Caddesi. Täglich passieren etwa drei Millionen Menschen diese Straße. Aber nicht nur hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken und zu shoppen, sondern auch in den vielen kleinen Gassen, die von der Istiklâl Caddesi abzweigen. Tünel in Beyoglu beherbergt vor allem viele Jungdesigner und ist eine der modernen Gegenden in Istanbul mit einer ausgeprägten Musikszene.

 
 

Angesagt und individuell

Das vom Designerduo Autoban ausgestatte House Café ist Stammladen von Istanbuls Werbern, Journalisten und Künstlern. Ursprünglich wollten die Erfinder des House Cafés einfach nur einen Platz schaffen, an dem man mit Freunden eine Kleinigkeit essen und einen guten Kaffee trinken kann. Aber bald wurde das Angebot erweitert, und immer mehr Gourmets wurden von den frischen Köstlichkeiten angelockt. Mittlerweile ist es eines der gefragtesten Cafés und eröffnete im März 2008 seine achte Filiale in Istanbul.

 

Die beiden Schwestern Reyhan und Risalet Ertürk verkaufen seit 1998 ihre eigenen Kollektionen in ihrem Laden Bis Wear. Die Idee war originell, aber vor allem praktische Mode zu designen. Mode, die man bei der Arbeit genauso kombinieren kann, wie beim Ausgehen. Während Risalets Design etwas verspielter ist, bleibt Reyhan ihrem charmanten Pragmatismus treu. Jedes Kleidungsstück gibt es nur zwei Mal in jeweils drei verschiedenen Größen - echte Raritäten also.

Blick auf den Galata Tower. Quelle: Alexandra Stapf
Alexandra Stapf
Blickfang: der Galata Tower

Im Jahre 1348 gebaut, ist der Galata Kulesi, der Galata Turm, wohl der auffälligste Blickfang des Viertels. Er ist 62 Meter hoch, und sein Haupt ist mit einem Kegel gekrönt. Leider sind im Inneren des Turms alle mittelalterlichen Spuren beseitigt, dafür wurde er aber mit stilvollem Restaurant und Nachtclub ausgestattet. Am spektakulärsten ist allerdings die Aussicht: ein märchenhaftes Panorama, das Istanbuls Hauptsehenswürdigkeiten und im Hintergrund die Prinzeninseln umfasst.

 

Die Tour am Samstag

Die drei Teile Istanbuls, Sultanahmet, Cagaloglu und Eminönü, liegen nahe beieinander und sind somit auch zu Fuß gut zu erkunden. Während Sultanahmet das Viertel vieler wichtiger Sehenswürdigkeiten ist (Blaue Moschee, Hagia Sofia, Zisterne, Hippodrom), tobt in Cagaloglu und Eminönü das Straßenleben. Hier liegt der Große Basar, der Ägyptische Basar und unzählige Straßenverkäufer.

Menschen schlendern durch eine Markthalle. Quelle: Alexandra Stapf
Alexandra Stapf
Shopping pur - der große Basar

Mit 17 Eingängen, 3000 Firmen und insgesamt 4400 Läden ist der Große Basar wohl unumstritten der größte Markt der Welt und der Himmel auf Erden für Shoppingfans. Auf 64 Straßen kann man entdecken, staunen und natürlich auch kaufen. Hier werden die Preise für die ganze Türkei gemacht. Viele Türken kaufen hier ein, wenn geheiratet wird, weil die Preise für Schmuck recht günstig sind. Aber es gibt nicht nur Geschäfte im Großen Basar - auch zahlreiche Cafés, Restaurants und sogar zwei Moscheen.

 

In zwei kleinen Läden auf dem Großen Basar werden moderne Kelims verkauft. Der Familienbetrieb Ethnicon wollte die Tradition der alten Kelims, die früher den Nomaden als Gebetsteppiche dienten, nicht untergehen lassen und recycelt alte Stoffe, Vorhänge und Teppiche. Die Textilien werden gewaschen und dann in Patchwork zu neuen Teppichen zusammengesetzt. Zwischen 150 und 210 Euro kosten die farbenfrohen Unikate und werden, auf Wunsch, auch überall hin verschickt.

Die Blaue Moschee in Sultanahmet. Quelle: Alexandra Stapf
Alexandra Stapf
Prachtvoll: die Blaue Moschee in Sultanahmet

Architektur und Wellness satt

Sutan Ahmet I. gab 1609 dem Architekten Mehmet Aga den Auftrag für die Sultanahmet Camii. Ziel war es, eine größere Moschee als die Hagia Sofia zu bauen, die direkt gegenüber steht. Das gelang zwar nicht, aber dafür wurden die Proportionen der Kuppeln und Türme perfektioniert. Dass die Sultanahmet Camii, auch Blaue Moschee genannt, als einzige sechs Minarette hat, beruht auf einem sprachlichen Missverständnis zwischen Sultan und Architekt: Sultan Ahmet I wollte ein Minarett aus Gold, was auf türkisch "altin" heißt. Mehmet Aga verstand "alti", was sechs bedeutet. So bekam der Sultan statt der gewöhnlichen vier Minarette sechs gebaut, was damals auf große Kritik stieß, weil es als frevelhafte Anmaßung gegenüber Mekka verstanden wurde. Der Begriff Blaue Moschee entstand aufgrund der prachtvollen Verkleidung des Innenraums und ihrer Kuppel mit blauen Izniz-Kacheln.

 

Das 300 Jahre alte türkische Bad Cagaloglu Hamam war 1741 ein Geschenk von Sultan Mehmet I. an die Stadt Istanbul. Schon Kaiser Wilhelm II., Franz Liszt und auch Tony Curtis schwitzten hier - um nur einige Berühmtheiten zu nennen. Das Hamam hat getrennte identische Abteilungen für Männer und Frauen. Wie neu geboren fühlt man sich nach Waschprozedur und Massage, die nicht unbedingt zimperlich vonstatten gehen. Aber nicht umsonst gehört das Bad zu den "1000 places to see before you die", und darauf sind die Masseure mächtig stolz.

 

Das Restaurant Sofyali 9 ist ein relativ schlichtes, ansprechendes Lokal mit türkischer Hausmannskost. Außerdem heißt es, hier bekommt man den besten Wein der Stadt. Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben. Das Team ist nur um das Wohl der Gäste besorgt und versorgt mit allerlei türkischen Köstlichkeiten in weißen Schälchen. Die Türken lieben das Sofyali 9 und wer einmal da war, weiß warum.

 

Stadtgeschichte am Sonntag

Das Viertel Ortaköy auf der europäischen Seite Istanbuls liegt genau unter den Füßen der Bosporusbrücke. Am Ufer befindet sich eine der schönsten Moscheen, die Ortaköy Moschee. Natürlich pulsiert auch dieses typisch traditionelle Viertel. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, die kleineren Gassen in Ortaköy zu erkunden. Hier gibt es das "alte Istanbul" zu entdecken: die Akaretler - die alten kleinen bunten Häuser. Auf der Anhöhe direkt an der Bosporusbrücke hat man einen genialen Ausblick.

Der Schwanenbrunnen im Park des Dolmabahace Palast. Quelle: Alexandra Stapf
Alexandra Stapf
Schwanenbrunnen im Park des Dolmabahace Palast

Der Palast Dolmabahçe Sarayi wurde 1853 für Sultan Abd ül-Medschid errichtet. Hier lebten auch die letzen sechs Sultane von Istanbul. Die ganze Anlage ist atemberaubend. Im Park kann man den wunderschönen Schwanenbrunnen bewundern und hat einen direkten Blick auf das Ufer des Bosporus. Im Inneren des Palastes kommt man aus dem Staunen überhaupt nicht mehr raus. Die Farben und die Details, aber vor allem die Größe der Räume sind überwältigend. Mit Blitzlicht zu fotografieren ist verboten, denn Wände und Decken sind über und über mit Blattgold verziert.

 

Allgegenwärtiger Atatürk

Der größte Raum ist der Empfangssaal: 2000 Quadratmeter groß und 36 Meter hoch. In der Mitte des Raums liegt ein Teppich, der 120 Quadratmeter misst. Von der Decke hängt ein 4,5 Tonnen schwerer Kristall-Leuchter, der mit 750 Kerzen bestückt ist. Im Dolmabahçe Palast lebte und starb auch Atatürk, der Gründer der modernen türkischen Republik. Er ist am 10. November 1938 um fünf nach neun gestorben und seitdem sind die Uhren auf genau dieser Uhrzeit stehengeblieben. Deshalb bleibt jedes Jahr an seinem Todestag das Leben um fünf nach neun in der ganzen Türkei für einige Minuten stehen.

 

Das Museum Santralistanbul ist das jüngste Museum in Istanbul. Im September 2007 eröffnete das Museum in dem Gebäude eines ehemaligen Elektrizitätswerks. Im einen Teil der Ausstellung stehen noch die alten riesigen Maschinen, deren Funktionen an verschiedenen Versuchsstationen erklärt werden. Im anderen Teil des Museums finden "normale" Ausstellungen statt. Das Besondere ist, dass die Macher die Kunst dem Zuschauer wirklich nah bringen wollen: Bilder und Skulpturen werden nicht von strengen Aufsichten bewacht, sondern wollen betrachtet werden - und zwar ohne Distanz.

 
 
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Boot fährt auf Istanbul zu. Quelle: Alexandra Stapf